Charmante Mischung
"...mit Schiller locken" auf der "Bühne im Stift"
"Fragmente aus Schillers Werk hatten die Künstlerinnen Gudrun Schnitzer und Sabrina Hummel angekündigt. Was sie für die Bühne im Stift im Trippstadter Wohnstift, in der literarisch-musikalischen Soiree "... mit Schiller locken" ausgewählt hatte, gelang als charmante Mischung aus Jedermanns Wissen und Niemands Allwissen über jenen 'schillernden Geist'.
Der Titel war Programm. Schauspielerin Gudrun Schnitzer aus Frankfurt und Pianistin Sabrina Hummel aus Kaiserslautern, die heute in Mainz lebt, lockten tatsächlich und - um das Fazit vorweg zunehmen - wahrhaft erfolgreich. Das vergangene Jahr, das im Gedenken an den 250. Todestag des Dichters als 'Schillerjahr' gefeiert wurde, war ihnen Anlass, aus dem reichhaltigen Werk und vielseitigen Wirkungskreis ein gut einstündiges Schillerprogramm zu wagen. Eines, das sich fast allen dramatischen, tragischen, geisteswissenschaftlichen, theologischen schreibenden und persönlichen Bereichen widmete und dennoch nicht in oberflächlichen Plattitüden hängen blieb.

Wie beide dies unter der Regie von Rolf
Birkholz schafften, deutete sich schon in ihrem
vortragenden und rezitierenden Engagement an. Die Bestätigung folgte am Ende der Soiree: noch während Gudrun Schnitzer den 'Leistungshorizont' Schillers, sein Kranksein und die dennoch stete Höchstanforderung an sich selbst zitierte, spielte Sabrina Hummel 'Ode an die Freude' und gab Antwort: Auch das Duo versprühte eine solche Freude, trotz übermittelter Tragik. Mächtig und drastisch erklang Beethovens Sturmsonate und Schillers Qualen als Regimentsmedicus, dem Frust, dass ihn 'Die Räuber' Familie und Vaterland gekostet hätten, dem Aufschrei, dass seine Erzählungen Schmierereien seien und das Theater einem Irrenhause gleiche.

Auch vom Hoffen, der Diktatur seines Körpers entgehen zu können, vom täglichen Schreiben, um sich auszuschalten und den Geldsorgen war die Rede. Dazu Schumanns Pathétique, sein Impretu Op. 90 und Beethovens Mondscheinsonate, die bildhaft vertieften und von Zweifel und Unmut wiederum befreiten. Hatte Schiller doch allem 'Schmelzenden' in der Musik eine Absage erteilt. Hatte er doch Musikkunst mit 'Freiheit, Geist und Übersinnlichem' definiert.
Besonders gelang in diesem Sinn die Analogie einer Hummel-Improvisation auf den Flügelsaiten zur Erzählung 'Der Geisterseher'.
Geheimnisvoll die Sprechstimme, diffus das Kerzenlicht und makaber die (Piano-)Glockenklänge einer wohl mitternächtlichen Geisterstunde.
So manches mehr erfuhr das Publikum aus Schillers Leben und Werk, auch aus den Passagen aus den 'Ästhetischen Briefen' oder der Ballade 'Der Handschuh'. Mitten hinein in die Stille nach begeistertem Dankesapplaus entfuhr einer alten Dame mit halblauter Inbrunst: 'Das war wunderschön'.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen (...)" (Die Rheinpfalz, 10.04.2006)

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