Einladung in den Harem
Rainer Langhans von der früheren Kommune 1 zu Gast in Hofheim

Ergänzten sich prima: Schauspieler Rolf Birkholz (links) las,
Rainer Langhans kommentierte.RMB/Margielsky

Vom 24.09.2008

Von
Daniel Honsack

Eigentlich sieht Rainer Langhans aus wie früher. Wie damals, als er mit seinen Kommunarden
in der Kommune 1 für Aufsehen sorgte. Jetzt sieht der "68er" deutlich ruhiger aus. Er wirkt
bedächtig, überlegt sich seine Antworten und Stellungnahmen gut. Wenn er dann aber spricht,
erst leise, dann immer klarer, dann kann es passieren, dass er von einen Thema aufs Nächste kommt,
einen großen Bogen spannt, den man mit der Frage gar nicht erwartet hat. Jetzt steht er im ersten
Stock der Hofheimer Stadthalle im Flur und wartet auf seinen Auftritt.
Viel Aufhebens macht er nicht darum. Er scheint sich ein wenig nach innen zu orientieren. Dass er
jetzt in Hofheim spricht, liegt daran, dass er zwischen einer Podiumsdiskussion in Frankfurt und
einer studentischen Theateraufführung über die 68er-Bewegung in Mainz einen Tag Zeit hatte, den er
nicht unnütz verstreichen lassen wollte. "Aber einen Tag sitze ich da rum?", hat er die
Organisatoren gefragt, die dann den Kontakt zur Stadt Hofheim hergestellt haben. In Hofheim hat er
nun ein Hotelzimmer bezogen, bevor es weiter nach Mainz und dann wieder in sein Münchner Exil geht,
wie er es nennt.
Vor seinem öffentlichen Gespräch hat er noch den Bahá'í -Tempel in Langenhain besucht.
"Das fand ich sehr interessant und dort konnte ich mir auch einiges erklären lassen", sagt er.
Doch so ein Besuch ist die große Ausnahme von der Regel. Denn meist ist auf der Lesetour keine
Zeit für private Besichtigungen und Stippvisiten.
Er hat sich angewöhnt, bei seinen Auftritten nicht selbst zu lesen. Auch in Hofheim hat er mit Rolf
Birkholz ein professionelles Sprachrohr gefunden. Der Schauspieler aus Dreieich liest seine Worte,
als würde er sie gerade erst entstehen lassen. Sie werden lebendig, wie sie nur ein Profi erstehen
lassen kann. "Mir ist es lieber, jemand anders liest es. Dann kann ich es von außen sehen und
kommentieren", begründet Rainer Langhans die ungewöhnliche Konstellation. Ohnehin findet er, dass
seine Anfang des Jahres veröffentlichte Autobiographie "Ich bin's" eher eine Art Inhaltsverzeichnis
ist, anhand dessen sich dann leichter über sein Leben sprechen lässt.
Für ihn ist das nicht nur ein Erinnern sondern auch ein öffentliches Reden über die Gegenwart.
"Ich bin nicht so vergangenheitsorientiert, wie es scheint", findet er. Später zeigt sich, was er
damit meint. Für Langhans hat das Leben nach "68" nicht aufgehört. So hält er das Internet für
einen "zentralen menschlichen Rohstoff".
Heute arbeitet er als Autor und Filmemacher und hat auch in jüngerer Zeit durch Aktionen auf sich
aufmerksam gemacht, die nicht zum alltäglichen Verhaltenskodex zählen. Etwa, als er die Ex-RAF-
Terroristin Brigitte Mohnhaupt und die Fürther Landrätin Gabriele Pauli öffentlich in seinen
"Harem" einlud. Dieser ist, ähnlich wie seinerzeit die Kommune, ein soziales Experiment, in dem er mit fünf Frauen in einer Lebensgemeinschaft wohnt.

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